GAVAGAI

GavagaiDir: Rob Tregenza
with Andreas Lust, Anni-Kristiina Juuso, Mikkel Gaup NOR/CA/D/USA 2016 DCP | OF | 90 min
German premiere

Die Frau von Carsten ist vor kurzem verstorben, ihre letzte Aufgabe war die Gedichte des norwegischen Dichters Tarjei Vesaas ins Chinesische zu übersetzten. Nun reist der deutsche Unternehmer nach Norwegen und besucht die Orte, die den Dichter zu seiner Poesie inspiriert haben. Als Gefährten engagiert Carsten den erfolglosen Reiseführer Niko, dessen Freundin ihn gerade vor die Tür gesetzt hat. Gemeinsam brechen sie auf eine Reise durch Norwegen auf, die im Zeichen des Rückblicks und Aufbruchs steht.

German businessman Carsten Neuer (Andreas Lust) travels to Norway to finish the impossible translation of some Norwegian poems by Tarjei Vesaas into Chinese, a project of his late wife. He hires Niko, a down-on-his-luck tour guide, to drive him to the poet’s home and places of inspiration. On this journey, two very different men come to realize the transforming power of love, the limits of language, and the human need for friendship.

21.1. 18:00 (WOLF / Q&A with Kirk Kjeldsen & Andreas Lust)

THE FLORIDA PROJECT

Flordia3_1Dir: Sean Baker
with Willem Dafoe, Brooklynn Kimberley Prince, Valeria Cotto, Bria Vinaite USA 2017  DCP | OF | 115 min

Seit 2000 drehte Sean Baker sechs Spielfilme, darunter die iPhone-Produktion Tangerine (2015). Immer wieder kreisen seine Filme um Außenseiter, die nicht zuletzt durch ökonomische Kräfte an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. In seinem neuesten Film THE FLORIDA PROJECT schlagen sich eine junge Mutter und ihre sechsjährige Tochter im grellen Sonnenlicht Floridas durchs Leben. Unterstützung erhalten sie vom Besitzer eines Motels, der dem alltäglichen Chaos nicht gleichgültig gegenübersteht.
“THE FLORIDA PROJECT ist eine Offenbarung: Der Film für sich, und weil er das Versprechen eines ortsspezifischen und in der Realität grundierten amerikanischen Spielfilms erfüllt.” (Kent Jones)

Set on a stretch of highway just outside the imagined utopia of Disney World, THE FLORIDA PROJECT follows six-year-old Moonee and her rebellious mother Halley over the course of a single summer. The two live week to week at “The Magic Castle,” a budget motel managed by Bobby, whose stern exterior hides a deep reservoir of kindness and compassion. Despite her harsh surroundings, the precocious and ebullient Moonee has no trouble making each day a celebration of life, her endless afternoons overflowing with mischief and grand adventure as she and her ragtag playmates.

18.1. 21:00 (Arsenal 1)

ESCAPES

Escapes_2Dir: Michael Almereyda
USA 2016  DCP | OF | 89 min
German premiere

Man kennt Hampton Fancher als Autor von Blade Runner (1982) und Blade Runner 2049 (2017). Er war aber auch Schauspieler, Tänzer und ein begnadeter Geschichtenerzähler. Michael Almereyda lässt ihn in ESCAPES ausführlich zu Wort kommen und schlägt einen so eklektizistischen wie wilden Bogen durch das Hollywood des 20. Jahrhunderts. Eine Story folgt der nächsten: Mit 15 ging Fancher beispielsweise nach Spanien, studierte dort Flamenco und auf der Rückfahrt lud ihn angeblich Marlon Brando zum Essen ein (Fancher lehnte dankend ab). Als Schauspieler begegnet uns Fancher als Cowboy, Killer, Schlingel und ab und zu sogar als Held. Almereyda zitiert dabei ausgiebig die amerikanische Popkultur, Comics, alte Filme und vergessene Fernsehserien. Besonders schön ist auch, wie Blade Runner in Zusammenhang mit Fanchers Leben gebracht wird.

ESCAPES blazes a wild path through mid-20th-century Hollywood via the experiences of Hampton Fancher – flamenco dancer, actor, and the unlikely producer and screenwriter of the landmark sci-fi classic Blade Runner. (Fancher also penned the story for Blade Runner 2049.) Fancher recounts episodes from his remarkable life matched with a parallel world of film and TV footage wherein Fancher plays cowboys, killers, fops, cads, and the occasional hero.

16.1. 20:00 (Arsenal 1)
24.1. 20:00 (Arsenal 2)

DO DONKEYS ACT?

Do_Donkeys_act_3Dir: Ashley Sabin, David Redmon
USA/UK 2017 DCP | OF | 72 min
German premiere

Esel gelten gemeinhin als dumm und stur. Doch stimmt dies? In DO DONKEYS ACT? wird das Bild des „dummen Biestes“ unterlaufen und der Versuch unternommen unseren anthropozentrischen Blickwinkel zu verschieben. Gefilmt in mehreren Tierheimen, in denen missbrauchte Esel gepflegt werden, präsentieren die beiden Filmemacher einen essayistischen Dokumentarfilm, dessen poetischer Kommentar von Willem Dafoe gesprochen wird. Während wir die Tiere beobachten, erwidern sie ihren Blick und schauen uns ebenfalls an.

DO DONKEYS ACT? subtly subverts the notion of the “dumb beast” as it captures donkeys communicating emotionally with each other in the midst of healing from human cruelty. A poetic text threads through scenes “acted” by donkeys, a rhythmic script commentary voiced by Willem Dafoe. The film’s ethno-poetic-animal-fiction takes its playfully self-reflexive cues from Jean Rouch and Chris Marker. Reclaiming the donkey from the indignity of a centuries old master slave relationship, it elevates a degraded beast to the role of lead actor and performance artist. To paraphrase Marina Abramovic, the donkey is present.

18.1. 20:00 (WOLF / Q&A with Ashley Sabin & David Redmon)
21.1. 18:00 (WOLF)

DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN?

Did you wonder1Dir: Travis Wilkerson
USA 2017  DCP | OF | 90 min
Berlin premiere

1946 erschoss S.E. Branch, Urgroßvater von Travis Wilkerson, Bill Spann, einen schwarzen Mann. Branch war ein weißer Rassist und lebte wie sein Opfer in einer Stadt in Alabama. Konsequenzen musste er keine befürchten. In seinem neuen Film begibt sich Wilkerson auf einen sprichwörtlichen Horrortrip. Er filmt das Lokal, in dem die Tat geschehen ist, spricht mit seinen Geschwistern und trifft Menschen, die über den Rassismus sprechen, dem sie immer wieder ausgesetzt sind. DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN? ist ein fulminant-wütender Dokumentarfilm, teils Familiengeschichte, teils oral history über den Rassismus und gegen das Vergessen. “Seit 15 Jahren greift Travis Wilkerson in seinen politischen Filmen unablässig das Handeln des amerikanischen Herrschaftsgefüges an, doch noch nie hat er einen solch persönlichen Film gedreht.” (Mark Peranson)

Alabama, 1946. S.E. Branch, a Southern racist and director Travis Wilkerson’s great-grandfather, murdered Bill Spann, a black man. The murder has become hidden family lore and when Wilkerson sets out to unravel the mystery, he encounters obstacle upon obstacle, destroyed records and everyone refusing to talk. He’s accused of bringing shame upon the family, shaking up old trouble nobody wants. Soon enough, his life will be threatened too.

23.1. 19:00 (Arsenal 1)
27.1. 21:15 (Arsenal 2)

COLUMBUS

ColumbusDir: Kogonada
with Haley Lu Richardson, John Cho, Parker Posey USA 2017  DCP | OV | 104 min
Berlin premiere

In den vergangenen Jahren sorgte Kogonada für Aufsehen mit seinen Video-Essays über Yasujiro Ozu, Richard Linklater oder den Neorealismus. Nun hat er seinen ersten Spielfilm gedreht, COLUMBUS, den man zu den schönsten Debüts der letzten Jahre zählen muss. Das beschauliche Columbus im Bundesstaat Indiana ist eine mittelgroße Stadt, die dank ihrer modernistischen Bauten (u.a. von I.M. Pei, Eero Saarinen und Robert Venturi) ein Mekka für Architekturliebhaber ist. Columbus ist ein architektonischer Spielfilm und eine berührende Coming-of-age-Geschichte. Die 19-jährige Casey pflegt ihre Mutter, die sich von ihrer Crack-Sucht erholt. Sie trifft auf Jin, einen südkoreanischen Übersetzer, der seinen todkranken Vater, einen ehemaligen Architekturprofessor, besucht. Gemeinsam gehen sie rauchend durch die Stadt, sie blickt zögerlich in die Zukunft, er versucht sein Leben zu regeln. “Hätte COLUMBUS eine Offenbarung zu vermitteln, so läge diese in den Freuden des Alltags und in der Art und Weise wie sich das Monumentale, das Außergewöhnliche, mit dem Alltäglichen vermengt, bis es fast verschwindet.” (Jonathan Romney)



Thirtysomething Jin, born in Korea, works as a translator. He travels to Columbus, Indiana, where his dad went to give a lecture about local architecture and wound up in a coma. Jin meets Casey, who wanted attend the lecture. She works at the local library and takes care of her mother, a meth addict. Both of them, Jin and Casey, are stuck in difficult situations, unsure of how to pursue their dreams. As they grow closer, they discover the city of Columbus and each other.

18.1. 19:00 (Arsenal 1)
26.1. 19:00 (Arsenal 1)

BEACH RATS

beachrats6Dir: Eliza Hittman
with Harris Dickinson, Madeline Weinstein, Kate Hodge USA 2017 DCP | OmU | 95 min

Sommer auf Coney Island. Der Teenager Frankie driftet durch sein Leben. Tagsüber hängt er mit seinen Freunden am Strand ab, geht trainieren und raucht Gras. Doch weder seine Macho-haften, latent aggressiven Kumpels noch Simone, mit der er eine Affäre beginnt, scheinen ihn wirklich zu interessieren. Der einzige Ort, an dem Frankie offen über seine Gefühle und sexuellen Wünsche sprechen kann, ist der anonyme Chatroom, in dem er nachts mit älteren schwulen Männern schreibt. Nach einigem Zögern beginnt er sich mit Leuten aus dem Netz zu treffen und wagt sich in die Cruising-Bereiche am Flußufer vor. Als seine Kumpels sein Geheimnis zu entdecken drohen, muss Frankie eine radikale Entscheidung treffen …

Frankie, an aimless teenager living on the outer edges of Brooklyn, is having a troublesome summer. With his father dying and his mother wanting him to find a girlfriend, he tries to escape the bleakness of his home life by causing trouble with his delinquent friends and flirting with older men online. When his chatting and webcamming intensify, he finally starts hooking up with guys at a nearby cruising beach while simultaneously entering into a cautious relationship with a young woman.

15.1. 20:00 (WOLF)

PRINCESS CYD

PrincessCyd_PR_stills_1.396.1Dir: Stephen Cone
with Rebecca Spence, Jessie Pinnick  USA 2017  DCP | OF | 96 min
German premiere

Warum Stephen Cone bis heute nicht zu den bekanntesten Independent-Filmemachern zählt, gehört zu den großen Rätseln unserer Zeit. Acht Filme drehte er in den vergangenen zehn Jahren, die in ihrer Aufrichtigkeit (gegenüber den Figuren wie auch den Zuschauern), einem fantastischen Gespür für Schauspieler*innen und nicht zuletzt wunderbaren Soundtracks an die Filme von Jonathan Demme erinnern. In seinem neuesten Film PRINCESS CYD besucht die 16-jährige Cyd ihre Tante Miranda in Chicago. Diese ist erfolgreiche Schriftstellerin, Single und lädt jede Woche Freunde ihres akademischen Zirkels ein. Cyd genießt die neue Umgebung und verliebt sich in eine junge Frau, die sie in einem Coffeeshop trifft. Am schönsten jedoch: Miranda und Cyd beginnen sich durchaus liebevoll herauszufordern, indem sie über ihre Vorstellungen von Sex, Erfolg und über das Leben ganz allgemein sprechen.

PRINCESS CYD follows 16-year-old athlete Cyd Loughlin (Jessie Pinnick) while visiting her novelist aunt (Rebecca Spence) in Chicago over the summer. Eager to escape life with her depressive single father, Cyd falls for a girl in the neighborhood, while she and her aunt gently challenge each other in the realms of sex and spirit.

12.1. 20:00 (Arsenal 1 / Q&A with Stephen Cone)
28.1. 20:00 (Arsenal 2)

CORY McABEE’S SMALL STAR SEMINAR

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Small Star Seminar is the first solo music project created by Cory McAbee. The performance features a singing motivational speaker who urges people to give up their goals, stop reaching for the stars and to start looking for the stars within their own minds. The set features optimistic songs about quitting, accepting one’s own limitations, and the power of sitting quietly. As an encore McAbee will address the theory of “Deep Astronomy” and answer questions from the audience. This tour is being documented for use in an upcoming feature film, written and directed by Cory McAbee. Audience participation is welcome.

WED 8.6, 21:30 Griessmühle (Live performance and film with Cory McAbee)

ONE CUT, ONE LIFE

ONE CUT, ONE LIFE (USA/2013) Ed Pincus, Lucia Small 107 min|Digital file|OV

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Nach Diaries (1971 – 1976) zog sich Pincus vom Filmemachen zurück und wurde Blumenbauer in Vermont. Erst 2007 drehte er, zusammen mit Lucia Small, mit The Axe in the Attic (USA 2007) einen weiteren Film. Als bei ihm Leukämie diagnostiziert wurde, beschloss er, zum Frust seiner Frau Jane, die die letzten Monate ihres Mannes nicht mit einem weiteren Filmprojekt teilen wollte, erneut mit Lucia Small einen Film über seine Krankheit zu drehen. One Cut, One Life ist der letzte Film von Pincus, gedacht einerseits als filmisches Vermächtnis, das das Leben und die Überzeugungen von Pincus mit Leidenschaft und überraschend unsentimental präsentiert. Andererseits ist One Cut, One Life ein Film, in dem zwei Filmemacher ihre Vorstellungen, Ideen und Blickwinkel zueinander führen und diskutieren. Schlussendlich überwiegt weniger die Schwere von Pincus Tod, als vielmehr die Offenheit, mit der sich die beiden Filmemacher begegnen und somit dem Film eine Form geben, die nicht nur auf das Leben, sondern vor allem in die Zukunft weist. (hb)

When seminal documentarian Ed Pincus is diagnosed with a terminal illness, he and collaborator Lucia Small team up to make one last film, much to the chagrin of Jane, Ed’s wife of 50 years. Told from two filmmakers’ points of view, One Cut, One Life challenges the form of first person documentary. Ed and Lucia’s unique approach to filming offers a vulnerability and intimacy rarely seen in non-fiction, questioning whether some things might be too private to be made public. The film is an intense, raw, and sometimes humorous exploration of the human condition which invites the viewer to contemplate for themselves what is important, not only at the end of life, but also during.

FRI 10.6, 19:00 Arsenal 1

THU 16.6, 19:30 Arsenal 2