DECASIA

Dir: Bill Morrison, USA 2002
67 min, DCP, OF

Der amerikanische Komponist Michael Gordon schrieb mit «Decasia» eine Symphonie über den Zerfall und die Zerstörung im 20. Jahrhundert. Die Wortschöpfung «Decasia» steht für «Symphony in Decay», eine Symphonie, deren Tonart der Zerfall ist, und für «fantasia» eine Phantasie über den Zerfall. Bill Morrison begleitet sie mit einem Film, bei dem Reduktion das stilistische Zauberwort ist. Und so reduziert Morrison seinen Film beginnt, so seriell und minimalistisch ist Gordons Musik: Sirenengeheul signalisiert eine Welt am Abgrund. Auch visuell wird das Inferno umgesetzt, mit Bildern von Bränden und umkippenden Meeren. In der Entschiedenheit der Reduktion ist Gordons Musik so gewaltig und gewalttätig wie Jackson Pollocks Bilder: Plötzlich dreht sich alles, Musik und Bilder sind überall, die Orientierung geht verloren. Morrison hat weltweit die Archive durchstöbert, darunter die Cinémathèque in Lausanne und das Archiv des Museum of Modern Art. Er fand vom Zerfall bedrohtes, zum Teil gesperrtes Material auf altem Nitrit vom Beginn der Industrialisierung erzählt er, als die Naturwissenschaften sich Bahn brachen, als im Jahrhundert der Physik die Menschen wie in Metropolis zu Zahnrädern im Getriebe wurden. Und vom Schwarzen Freitag 1929, für den die Sündenböcke dann in Deutschland gefunden wurden. Am Ende versinkt ein Land in Schutt und Asche die Erde, ein verbrannter Planet. (Viennale)

An irreverent elegy to Disneys Fantasia, Bill Morrisons extraordinarily mesmerizing DECASIA is a stunningly beautiful, dystopian ode to creation and decay. Set to an original symphonic score written by Michael Gordon and performed by the Swiss 55-piece basel sinfonietta, DECASIA is a formally rigorous and recursive work that both reflects and embodies the creative beauty of mans inevitably doomed struggle to transcend his own mortality. (Shari Frilot)

SUN 20.1. 19:00 (Wolf) Q&A with Bill Morrison