EMPTY METAL

Adam Khalil, Bayley Sweitzer / USA 2018 / 85 min / DCP / OV – German premiere

EMPTY METAL spielt in einem amerikanischen Polizeistaat und folgt fünf Menschen, die alle stellvertretend für eine extreme politische Ideologie stehen, und die den Status quo der USA versuchen zu zerstören: Drei Mitglieder einer Noise Band lassen sich von einer Familie Native Americans überreden ein Attentat zu verüben. Unterstützung erhalten sie dabei von einem Rastafari, der auch ein Hacker ist und welcher mit einem buddhistischen Mönch befreundet ist, dessen Sohn wiederum Mitglied einer ultrarechten Miliz ist. Und über all ihnen schweben die Drohnen und registrieren jede Bewegung. “EMPTY METAL expresses a kind of irrevocable reckoning that has been centuries in the making.” (Pamela Cohn)

EMPTY METAL reveals a political fantasy, an alternative reality whose characters teeter on the dull knife edge that is contemporary American politics, but they refuse to fall right or left. Instead, they lash out from the soul, and under the radar, in an attempt to achieve what their mainstream predecessors have yet to accomplish.

WED 8.1. 19:00 Wolf / SUN 12.1. 16:00 Wolf

GIVE ME LIBERTY

Kirill Mikhanovsky / USA 2019 / 119 min / DCP / OV – Berlin premiere

Vic arbeit als Krankentransportfahrer in Milwaukee. Eines Tages geht alles schief: Nicht nur sitzt plötzlich seine halbe russische Verwandtschaft in seinem kleinen Bus, die gerne zu einer Beerdigung gefahren werden möchte, sondern es brechen auch Unruhen in der Stadt aus. Während er sich einen Weg durch diese angespannte Situation bahnt, verspätet er sich immer mehr und seine Fahrgäste werden immer nervöser. Kirill Mikhanovsky, geboren in Moskau, zog als Jugendlicher mit seinen Eltern in die USA. In GIVE ME LIBERTY verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen als Fahrer. Es ist eine Komödie, die sowohl Zuschauerinnen wie Protagonistinnen atemlos zurücklässt: Selten wurde das alltägliche kleine und große Chaos so virtuos gefilmt wie hier.

Vic, a hapless young Russian American, drives a handicapped transportation vehicle in Milwaukee. Already running late on a day when street protests have broken out, and on the verge of being fired, he reluctantly agrees to ferry his grandfather and a dozen elderly Russians to a funeral.

WED 1.1. 19:30 Arsenal 1 / SAT 11.1. 21:00 Arsenal 1

TWILIGHT

Dir: Catherine Hardwicke, with Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Nikki Reed
USA 2008, 122 min, DCP, OmU

Die 17-jährige Bella Swan zieht zu ihrem Vater in ein verschlafenes Städtchen im Nordwesten der USA. Bella fühlt sich etwas verloren in der neuen Umgebung. Ihre Verwirrung wird noch gesteigert, als sie an der Highschool dem mysteriösen Edward Cullen begegnet. Der blasse junge Mann übt von Anfang an eine unerklärliche Anziehungskraft auf Bella aus – obwohl, oder vielleicht gerade weil er sich ihr gegenüber äußerst zurückhaltend verhält. Sie ahnt, dass Edward ein Geheimnis umgibt, von dem keiner etwas wissen darf.

November 21, 2008: Catherine Hardwicke’s TWILIGHT opens nationwide. Predicted to be only a mild success, the film, starring Kristen Stewart and Robert Pattinson, subsequently breaks box office records. The rest is pop history. The screenplay, written by Melissa Rosenberg, is nearly identical to its source. But to the skeleton of Meyer’s text, TWILIGHT supplies warm flesh, and with it, an otherworldly—and overwrought—sensuality. One year prior, Meyer writes that she imagines Bella and Edward as Emily Browning and Henry Cavill. Instead, Hardwicke casts Stewart and Pattinson, thus launching them into stardom. (Kelley Dong)

SAT 12.1. 20:00 (Wolf) Introduction: Saskia Walker

RAY MEETS HELEN

Dir: Alan Rudolph, with Keith Carradine, Sondra Locke, Samantha Mathis, Jennifer Tilly, Keith David
USA 2017, 100 min, DCP, OF – Berlin premiere

Nach 15 Jahren kehrt der Regisseur von Klassikern wie CHOOSE ME oder TROUBLE IN MIND, Alan Rudolph, mit einem neuen Film auf die Leinwand zurück. Rudolph erzählt die Geschichte des ehemaligen Boxers Ray und der einsamen Helen, die beide ihren verlorenen Träumen hinterherjagen. Das Schicksal lässt Ray über eine Menge Bargeld und Helen in die Identität einer verstorbenen Dame der Gesellschaft stolpern. Wie sich die beiden neu erfinden, erzählt Rudolph mit spielerischen Dialogen, fantasievollen Bildern und autobiografischen Untertönen. Und dann lernen sich Ray und Helen kennen, durchschauen die Fassade des anderen und verlieben sich in die Person dahinter. (Filmfest Oldenburg)

Alan Rudolph’s latest is a drama with humor about the province of, as he says, “good chance,” accordingly reuniting him with Keith Carradine for their sixth movie together. Ray (Carradine) and Helen (Sondra Locke) are each burdened with money woes and life regrets. But when windfalls come their way, they each seize the day to reinvent themselves—and meet for the first time in their newly devised identities. With the always-excellent Samantha Mathis as a wealthy barfly.

FRI 11.1. 19:30 (Wolf)
SUN 13.1. 20:00 (Wolf)

THE PAIN OF OTHERS

Dir: Penny Lane
USA 2018, 71 min, DCP, OF – German premiere

Morgellons ist eine mysteriöse Krankheit, deren Symptome direkt aus einem Horrorfilm stam-men könnten: Die Betroffenen berichten von Insekten und Würmern, die unter ihrer Haut leben und haarähnliche Fasern absondern. Ärzte verwerfen diese Symptome als Wahnvorstellungen und bieten wenig Hilfe. Vor allem Frauen sind von dieser Krankheit betroffen. Penny Lanes neuer Found-Footage-Film fast ausschließlich aus Bildmaterial, das die Regisseurin auf YouTube gefunden hat. In ihrer Not erzählen die Frauen darin von ihren Erfahrungen und versuchen darzulegen, dass sie nicht verrückt sind und die Krankheit sehr wohl existiert. THE PAIN OF OTHERS ist ein herausforderndes Werk, Horrorfilm und Zeugnis radikaler Selbsthilfe zugleich. Als Zuschauer wird man mit der grundlegenden Frage nach Empathie konfrontiert. Wie weit können wir uns in andere Personen einfühlen?

Morgellons is a mysterious disease whose symptoms seem to be straight out of a horror movie. Those affected by it say that insects and works live under their skins, creating sores containing tiny fibers. Many doctors dismiss the symptoms as the result of delusions and offer little help. The illness seems to affect women in particular. Penny Lanes new found-footage film consists almost entirely of material that she found on YouTube. In a desperate situation, the women talk about their experiences and try to prove that the illness exists and they are not crazy. THE PAIN OF OTHERS is a challenging work, at once a horror film and the testimony of radical self-help. The viewer is confronted with the fundamental question of what empathy is. Can humans really understand the feelings of another?

WED 2.1. 19:30 (Arsenal 1)
THU 10.1. 19:30 (Wolf)

MARFA GIRL 2

Dir: Larry Clark, with Adam Mediano, Drake Burnette, Mercedes Maxwell, Jonathan Velasquez
USA 2018, 76 min, DCP, OF – German premiere

Einige Jahre sind seit den Ereignissen von MARFA GIRL vergangen. Die Jugendlichen aus dem ersten Teil sind älter geworden, ihr Leben hat sich jedoch nicht verbessert. Sie sind zudem mit dem Alltag junger Eltern konfrontiert und versuchen verzweifeltet, mindestens den Anschein einer Familie zu wahren. Über allem schwebt derweil eine immense Langeweile und wohin Larry Clarks Protagonisten auch gehen, stossen sie nur auf Ablehnung.

The follow up to Clark’s 2012 movie, this as-yet-little-seen-by-American-audiences sequel reunites with Adam Mediano and the principles of the first film back in a dusty border town where the air of boredom, despair, and lingering resentment has only gotten thicker in the passing years, driven to crisis point when a tragedy splinters a fragile family unit, the last line of defense against an unforgiving world. An unprecedented return to the characters of an earlier film for Clark, testifying to the special place they hold in his heart. (Metrograph)

FRI 11.1. 21:30 (Wolf)
SAT 12.1. 18:30 (Wolf)

MARFA GIRL

Dir: Larry Clark, with Adam Mediano, Drake Burnette, Mercedes Maxwell
USA 2012, 105 min, DCP, OmU

In dem tristen Kaff Marfa, nahe der mexikanischen Grenze, verbringt Adam seinen 16. Geburtstag wie immer mit seinen Freunden. Sie hängen ab, rauchen Gras, reden über Sex oder haben Sex. Die Beziehung zu seiner Freundin Inez ist nicht einfach und seine 23-jährige Nachbarin Donna, deren Mann gerade im Knast sitzt, verführt Adam zum Geburtstag. Echte Abwechslung bringt erst Drake in das ziellose Treiben, eine neu im Ort angekommene Künstlerin. Doch dann droht Ärger mit dem hinterhältigen Grenzpolizisten Tom …

After years of difficulty getting new projects off the ground, Clark decided to strike out on his own, going through his own website to release this lyrical tale of forbidden love(s) in a Texas border town that continues the prodding at American racial insanity begun in WASSUP ROCKERS. Half-Mexican Adam (Adam Mediano, leading a largely nonprofessional cast) fills the days in the arty backwater he calls home with skating, smoking, and sex—enough to make him Public Enemy #1 for the local border patrol agents with too much time to kill. (Metrograph)

THU 10.1. 21:00 (Wolf)

THE LAST DAYS OF DISCO

Dir: Whit Stillman, with Chloë Sevigny, Kate Beckinsale, Michael Weatherly, Mackenzie Astin
USA 1998, 114 min, OF

Die schnippische Charlotte und ihre zurückhaltende Freundin Alice arbeiten tagsüber bei einem Verlagshaus in Manhattan. Ihre Nächte verbringen sie bevorzugt in einem exklusiven Discoclub, wo Typen wie der quirlige Werbefachmann Jimmy oder der liierte Umweltanwalt Tom verkehren. Während sich ständig unterschiedliche Pärchen-Konstellationen ergeben, diskutiert man über existenzielle Lebensfragen und gesellschaftliche Trends und schlittert – durch Intrigen und Eifersüchteleien beinahe unbemerkt – dem Ende der Disco-Ära entgegen.

This late-nineties American independent treasure follows the romantic and professional misadventures of a group of twenty-something college graduates navigating the currents of early-80s New York nightlife. Buoyed by writer-director Whit Stillman’s wryly affectionate gaze and a deft ensemble cast led by Chloë Sevigny and Kate Beckinsale, the film is a charming ode to a receded cultural tide, memorialized from the vantage point of wistful midlife and millennial nostalgia. Twenty years after its premiere, THE LAST DAYS OF DISCO endures for how it captures the peculiar ache of quarter-life growing pains and the exhilarating melancholy that comes with the end of an era.

SAT 12.1. 22:30 (Wolf)

DECASIA

Dir: Bill Morrison, USA 2002
67 min, DCP, OF

Der amerikanische Komponist Michael Gordon schrieb mit «Decasia» eine Symphonie über den Zerfall und die Zerstörung im 20. Jahrhundert. Die Wortschöpfung «Decasia» steht für «Symphony in Decay», eine Symphonie, deren Tonart der Zerfall ist, und für «fantasia» eine Phantasie über den Zerfall. Bill Morrison begleitet sie mit einem Film, bei dem Reduktion das stilistische Zauberwort ist. Und so reduziert Morrison seinen Film beginnt, so seriell und minimalistisch ist Gordons Musik: Sirenengeheul signalisiert eine Welt am Abgrund. Auch visuell wird das Inferno umgesetzt, mit Bildern von Bränden und umkippenden Meeren. In der Entschiedenheit der Reduktion ist Gordons Musik so gewaltig und gewalttätig wie Jackson Pollocks Bilder: Plötzlich dreht sich alles, Musik und Bilder sind überall, die Orientierung geht verloren. Morrison hat weltweit die Archive durchstöbert, darunter die Cinémathèque in Lausanne und das Archiv des Museum of Modern Art. Er fand vom Zerfall bedrohtes, zum Teil gesperrtes Material auf altem Nitrit vom Beginn der Industrialisierung erzählt er, als die Naturwissenschaften sich Bahn brachen, als im Jahrhundert der Physik die Menschen wie in Metropolis zu Zahnrädern im Getriebe wurden. Und vom Schwarzen Freitag 1929, für den die Sündenböcke dann in Deutschland gefunden wurden. Am Ende versinkt ein Land in Schutt und Asche die Erde, ein verbrannter Planet. (Viennale)

An irreverent elegy to Disneys Fantasia, Bill Morrisons extraordinarily mesmerizing DECASIA is a stunningly beautiful, dystopian ode to creation and decay. Set to an original symphonic score written by Michael Gordon and performed by the Swiss 55-piece basel sinfonietta, DECASIA is a formally rigorous and recursive work that both reflects and embodies the creative beauty of mans inevitably doomed struggle to transcend his own mortality. (Shari Frilot)

SUN 20.1. 19:00 (Wolf) Q&A with Bill Morrison

CLASSICAL PERIOD

Dir: Ted Fendt, with Calvin Enigme, Evelyn Emile, Sam Ritterman, Chris Stump
USA 2018,  62 min, 16mm, OmU

Im Mittelpunkt dieses auf körnigem 16mm-Material gefilmten, in Philadelphia angesiedelten Konversationsstücks steht der intellektuelle Austausch: Cal und seine Freunde sprechen über Literatur, Poesie, Musik, Architektur und Geschichte; vor allem aber diskutieren sie Henry Longfellows aus dem Jahr 1864 stammende Übersetzung von Dante Alighieris „Die göttliche Komödie“. Dem Sprechen, dem Zuhören, dem Entwickeln von Gedanken und dem Austausch von Argumenten kommt hier größte Bedeutung zu; anstelle einer Handlung entfalten sich Charakterporträts. Fendt bricht mit filmdramaturgischen Konventionen und zelebriert analoge Kulturtechniken. Anrührend altmodisch, geradezu klassisch. (Alexandra Seitz)

A group of young intellectuals partake in playful rounds of academic sparring in Fendt’s second feature, an über-cinephilic treatise on language, literature, and theology. Between Dante discussion groups and solitary linguistic exercises, Cal engages his friends in a series of discursive debates that, while reaching far and wide across history, eventually correlate to more interpersonal concerns. Shot on rough-hewn 16mm with a formal rigor to match its characters’ studied personas, Fendt’s encyclopedic take on cinema stimulates the mind as much as it does the senses.

SUN 13.1. 18:00 (Wolf) Q&A with Ted Fendt